Die Gunst der Stunde

Die Neue Züricher Zeitung gibt es seit über 200 Jahren. Ihr Image könnte man als grundsolide, aber nicht gerade trendsetting bezeichnen. In der Führungesetage war dies erkannt und es sollten Konzepte entwickelt werden wie die NZZ-Online die Printtiel der NZZ-Gruppe besser bewerben könnte. Dieser Plan hört sich nach langen und zähen Kreativsitzungen und teuren Agenturhonoraren an. Doch es kam anders. “Schützenhilfe” gab es vom schneidigen Herrn Verteidigungsminister zu Guttenberg. Er hatte in seiner Dissertation auch aus der NZZ am Sonntag abgeschrieben. Im Umkehrschluss bedeutete das für den Verlag das Urheberrecht mit einem Werbebanner zu beanspruchen: Summa cum laude für die NZZ vergeben von der Universität Bayreuth. – einfach nur großartig!

Mit Fehl und Tadel

Quo vadis, Herr Minister? Diese Tage werden richtungsweisend für Karl Theodor zu Guttenberg. Der bis vor kurzem als so gradlinig und entscheidungsfreudig gelobte Minister ist nun in Erklärungsnöten und wirkt ein wenig orientierungslos. Keine ganz neue Eigenschaft, wie eine von mir nun eigenhändig abgetippte und nicht per Copy and Paste eingefügte Passage aus der Doktorarbeit Guttenbergs (Seite 51) belegt.

Europa als Gedanke, Gewissheit und Realität könnte, am Ende dieser Stufenleiter angelangt und auf dem Wege zur Tradition, zum Scheitelpunkt zwischen Konservatismus und Moderne werden, der weder die Option der Gradwanderung noch die Gelegenheit der Verbindung jener Elemente auszuschließen vermag.

Meine Quelle für dieess Zitat möchte ich nicht unerwähnt lassen: Süddeutsche Zeitung vom 18.2.2011 Seite 2 Thema des Tages, Beitrag von Tanjev Schulz “Aufbau Inhalt und Stil der Dissertation”.

GuttenPlag Wiki

Otto und der Blondinen-Witz

Wie konnte es nur so weit kommen? Zu den Cover-Girls des dicken Versandhauskataloges zählten in den vergangen Jahren Claudia Schiffer, Gisele Bündchen und Heidi Klum. Zu dumm: denn nun folgt Sascha, 20 Jahre und Student mit billiger Kunsthaarperücke und schlecht geschminkten Lippen. Die Wahl entfiel nicht etwa aus Kostengründen auf das mit Sicherheit günstigere Model, sondern entspringt einer tapferen Haltung und einem konsequenten Festhalten an einer einmal eingeschlagenen Marketingstrateige. Otto goes Social Media und die Netzgemeinde treibt ihr lustiges Spielchen – Mensch Otto, was haste denn da gemacht! Continue reading

@ = Kunst

Das Museum of Modern Art erklärt das @-Zeichen zur Kunst. In die Design-Abteilung des Museums wurde nun erstmals ein Werk in die Sammlung aufgenommen, das gar keine materielle Präsenz mehr hat. Kuratorin Paola Antonelli erklärt: Wir waren einfach der Ansicht, dass es sich um großartiges Design handelt und deshalb unbedingt Teil unserer Sammlung sein sollte. Das @-Zeichen hat alle Qualitäten hervorrangender Gestaltung: Eleganz, Sparsamkeit, interlektuelle Transparenz und eine in die Zukunft weisende Dimension. . Nun ist das Scharnier zwischen Name und Domainadresse zu musealen Ehren gekommen und da fragt es sich doch ganz schnell: Wer hat’s erfunden? Nun, es war kein Schweizer, auch kein Italierner oder wegen seiner Sparsamkeit, könnte man auch einen Skandinavier als Schöpfer vermuten. Nein, das @-Zeichen war irgendwie schon immer da. Der Ursprung ist ungeklärt. Im Mittelalter kann es bereits nachgewiesen werden. Im Venedig des 16. Jahrhunderts war es das Zeichen für die Amphore, eine damals gängige Maßeinheit. In Amerika war es im 19. Jahrhundert als commercial a bekannt. Bei uns wurde es buchhalterisch wie das & verwendet. Es exisitierte sogar noch lange auf der Standardtastatur von Schreibmaschinen und den ersten Computern. Als dann 1971 im Internetvorläufer ARPAnet die erste E-Mail verschickt wurde, bot sich das nie benutzte Zeichen einfach an.

Mein Tee, mein Brot, mein Müsli

Essen als Maßanfertigung. Die Individualisierung schreitet unaufhaltsam voran. Seit einiger Zeit wächst die Zahl junger Unternehmen in Deutschland, die die Idee, persönlich zusammengestellte Lebensmittel im Internet zu verkaufen, umsetzen. Es ist quasi das Prinzip Maßanzug für Speis und Trank. Pioniere waren 2007 drei Studenten aus Passau, die mit ihrer Online-Müsli-Mischerei Mymuesli.de von sich Reden machten. Mittlerweile kann der webaffine Konsument auch Schokolade, Süßigkeiten, Pralinen, Säfte, Kaffee oder Brot nach eigenen Gusto zusammenstellen. Im World Wide Marketing gibt es auch für dieses Geschäftsprinzip einen Fachausdruck: Mass Customization, also das Konzpet der individuellen Massenfertigung. Was wie ein Widerspruch klingt, ist wirtschaftlich durchaus erfolgreich. Meist als kleine Start-ups im heimischen Keller oder Hinterhof gegründet, fand die Geschäftsidee des selber Mischens und Experimentierens immer mehr Abnehmer. Für die findigen Anbieter war das Einstiegsrisiko gering: es droht kaum Überproduktion, weil nur das hergestellt wird, was der Kunde bestellt hat, die Lagerkosten bleiben gering, es muss kein Ladenlokal angemietet werden und kein Beratungspersonal eingestellt werden. Die allesentscheidende Absatzplattform, die eigene Website, wurde vom Gründer oft selbst programmiert. Mittlerweile beschäftigt mymuesli.de 72 Mitarbeiter. Die noch überschaubare Branche der Maßanfertiger in Deutschland ist untereinander gut vernetzt. So werden den Bestellungen auch schon mal Werbeflyer anderer Food-Individualisten beigelegt.

Naschplatz
Pestolero
Saftfabrik
Meine Backstube

Pecha Kucha oder fasse dich kurz

Präsentieren in 400 Sekunden! Pecha Kucha ist ein festes Format, bei dem der mündliche Vortrag von exakt 20 Bildern begleitet wird, die exakt 20 Sekunden dem geneigten und meist sehr aufmerksamen Zuschauer gezeigt werden. Pecha Kucha ist somit die Antwort auf ausschweifende, ermüdende und überfrachtete Powerpointpräsentationen. Pecha Kucha ist japanisch und mein soviel wie Stimmengewirr. Pecha Kucha zwingt den Vortragenden sich auf bestimmte Inhalte seines Vortragsthemas zu konzentrieren. Pecha Kucha Nights sind Veranstaltungen, auf denen bis zu 14 Vorträge zu ganz unterschiedlichen Themen präsentiert werden. Die sogenannten PKN’s finden weltweit schon in 136 Städten statt. Und ziehen immer mehr Fans der kurzen Präsentation an. Hier fasse ich mich kurz. Wer mehr lesen will, der kann dies auf der offiziellen Website mit Links zu den Städten, in denen Pecha Kucha Nights veranstaltet werden.

Fette Henne

Geben Sie auch 105,50 Euro im Jahr für den Kauf von Blumen und Pflanzen aus? Nein? Kann aber nicht sein, denn die Branche für Gartenbau und Floristik hat den Pro-Kopf -Verbrauch für Usambara-Veilchen und Co. mit eben diesem Wert beziffert. Was für ein fetter Markt. Jährlich werden fast 8,7 Mrd. Euro in Deutschland für alles was Grün ist ausgegeben. Wir sind übrigens auch Schnittblumenimport-Meister mit einem Importwert von 1,1 Mrd. Euro. Diesen blühenden Markt der Mitnahmeprodukte habe ich bislang völlig unterschätzt. Aber je länger ich darüber nachdenke, schon allein unser Liedgut ist von dieser Mentalität des Blümchen kaufens geprägt: Rote Rosen aus Athen, Tulpen aus Amsterdam und im Moment heißt es für alle Schneeflöckchen, Weißröckchen und diese schöne Eisblume gibt es sogar ganz kostenlos frei Haus!

Der Schäuble-Plakat Remix-Wettbewerb

Und noch eine plakative Geschichte: netzpolitik.org, das politische Blog für Freiheit und Offenheit im digitalen Zeitalter, lässt ein CDU-Wahlkampf-Plakat aufmischen. Im Schäuble-Plakat Remix-Wettbewerb können Leser aus dem Slogan “Wir haben die Kraft für Sicherheit und Freiheit” , neue Sprüche abseits der Wahlkampf-Worthülsen bauen. Bei dieser Adresse kann man eigene Plakat-Kreationen erstellen.