Das Wallraf-Richartz-Museum in Köln schlägt einen neuen Weg in der Kunstvermittlung ein. Die Besucher sollen durch rein subjektive Deutungsansätze die Psychologie in Bildern ergründen. Für eine persönliche Interpretation dargestellter Szenen oder Gemütsregungen ist nicht unbedingt kunsthistorischer Sachverstand erforderlich. Über ein Bild, für das man sich bewusst Zeit nimmt und es in Stille betrachtet, kann man mit Kunst in Kontakt kommen. Bilder stellen Fragen und geben Antworten sagt der Psychologe Hans-Christian Heiling, der das Projekt am Wallraf-Richartz-Museum betreut. Der Ansatz der Psychologen in diesem Projekt fordert, nicht gleich erklären, sondern erst mal erleben, welche Gefühle ein Kunstwerk in einem auslöst. Damit der Besucher ein Gespür für die psychologische Herangehensweise gekommt, werden noch bis Mitte Juli 2006 Führungen zu sieben berühmten Bildern des Museums angeboten. Interessant ist auch die parallel laufende Studie. Gemeinsam mit dem Psychologischen Institut der Kölner Uni wurde mit einer Studie begonnen, die untersucht, was Menschen von Museumsbesuchen abhält.
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Marode Kulturfinanzen
Er hat auch schon mal bessere Zeiten gesehen, der Kunstbaum im Bend. Doch das war 1994 als anlässlich der Landesgartenschau in Grevenbroich noch satte Zuschüsse flossen. Zwöf Jahre später haben die Auswirkungen von Haushaltssperre und Nothaushaltsverfügungen, wie der Brennesseldickicht den Baum, das zarte Pflänzchen Kultur umwuchert. Vieles geht nicht mehr, und bei dem was noch geht, wird dann gleich, abwiegelnd nachgeschoben: Nein, der Haushalt wurde nicht mit Kulturausgaben belastet, alles aus Spendengeldern finanziert. – Gott sei Dank! Zu wünschen wäre hier mehr Selbstbewußtsein. Kulturbetriebe und Kulturschaffende müssen raus aus der Rolle der Bittsteller. Denn Kulturbeiträge sind eine gesellschafltich wichtige und schöne Leistung. Da die öffentlliche Hand auch auf längere Sicht wohl noch leer bleiben wird, bleibt nur eine Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft. Ziel ist eine Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Kultur auf Augenhöhe durch professionelles Kultursponsoring – der demokratischen Form des Mäzenatentums.
Bazon Brock und das Orakel von Köln
Am gestrigen 1. Mai hat sich in Köln eine Gruppe auf den Weg zu einem betonbrutalistischen Un-Ort der Stadt Köln
gemacht. Angestiftet wurde die Prozession vom Künstler und Kulturwissenschaftler Bazon Brock. Der Künstler gründete damit die Stiftung des Quellenorakels für Köln. Er huldigte dem Synkretismus als Einheit von Theologie, Sport, Kunst und Wissenschaft.
Wer einsieht, dass das realgegebene Hässliche, Bösartige und Spekulative allein durch die Logik auf seine Gegenbegriffe fährt, ist für jede Zumutung des Lochs, der Ruinen und der spekulativem Zerstörung im Kölner Stadtbild dankbar.
Brock erkennt in jedem in Köln Wohnenden angesichts des Desasters einen Theologen des Alltags. Mehr Informationen unter Georg Berg’s Notizen.
Die Kehrseite des Wohlstands
Mit einer spektakulären Installation am Kölner Dom sind die 1000 Müllmenschen des Aktionskünstlers HA Schult von ihrer Weltreise heimgekehrt. Seit Freitag stehen die Trash People auf dem zentralen Platz der Stadt und verkünden ihre konsumkritische Botschaft. Die Armee der menschengroßen Skulpturen aus Abfall ist bis zum 1. Mai zu sehen. Ihre Reise zur Chinesischen Mauer oder zu den Pyramiden nach Ägypten bezeichnete der Künstler als Symbol der Globalisierung.
Danach geht es nach New York. Bitte schreiben Sie aber nicht, in
den Central Park. Das war ein anderer Künstler, der immer alles
einpackt. Ich bin ein Künstler, der immer alles auspackt. (Zitat HA Schult bei der Präsentation der Installation in Köln)
Weitere Fotos und Informationen zu den Müllmenschen am Dom.
Weltweiter Pinholeday – auch in Köln!
Pinholeday? Winziglochtag? Was gibt es nicht alles für verrückte Gedenk- und Jahrestage. Jetzt gibt es die Gelegenheit eine Gedenktagswissenslücke zu schließen, denn am 30. April ist der Worldwide Pinhole Day. Und diesem huldigt das Atelier für Mediengestaltung in Zusammenarbeit mit dem Magazin Randgebiete in der Ausstellung ClickClack mit Lochkameraphotographien von Kölner und Berliner Sehenswürdigkeiten. Die Photographen Martin Frech aus Berlin und Tobias D. Kern aus Köln interpretieren mit ihren umgebauten Agfa-Rollfilmkameras Click und Clack die typischen Sehenswürdigkeiten an Rhein und Spree, wie den Dom oder den Reichstag, neu. Continue reading
Preis! Verdächtig?
Mit Preisen ist das so eine Sache. Wer sie vergibt, möchte nicht nur einen Verdienten ehren, sondern sich selbst auch ein wenig in das Licht des Preisträgers rücken. Der zu vergebende Preis wird zum nützlichen Aufmerksamtkeitsförderer in eigener Sache. Was zu der einfachen Formel führt: je bekannter der Preisträger, desto höher die Beachtung, die auch dem Preis und seinem Stifter zuteil wird. Ein schönes Beispiel dafür ist der in diesem Jahr erstmals verliehene Kunstpreis der Stadt Düsseldorf. Und Düsseldorf gibt es auch noch ganz offen zu und verkündet in einer Pressemeldung: Um Düsseldorf noch stärker als Stadt der Bildenden Kunst zu positionieren, stiftet die Landeshauptstadt einen neuen Kunstpreis, der ab 2006 jährlich vergeben werden soll. Der Preis ist mit 55.000 Euro hoch dotiert und soll an herausragende Künstlerpersönlichkeiten verliehen werden. Continue reading
Von der Sinnlichkeit des Vergänglichen
Das Künstler-Ehepaar Christo und Jeanne-Claude stellten ihr neues Projekt Over the River vor. Ihr Plan ist es, den Arkansas River in Colorado mit einer Abfolge von Stoffbahnen, die horizontal hoch über dem Wasser hängen, zu bespannen. Auf die Frage nach dem Grund für die kurze Ausstellungsdauer ihrer Kunstwerke antworteten Christo und Jeanne-Claude in einem wdr.de-Interview:
Christo: Es ist sehr sinnlich, wenn man weiß, morgen ist das Projekt für immer weg.
Jeanne-Claude: Und wenn ich Ihnen jetzt sage, da ist ein Regenbogen, sagen Sie doch auch nicht: Ich gucke mir das morgen an.
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Das ganze Interview unter wdr.de
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Mehr über das Projekt Over the River
Vom Nehmen und vom Geben
Die Kunstklappe, eine kleine Hilfestellung für reumütige Kunsträuber, wird es bald auch in Köln geben. Die Galerie Kunstwerft betreibt in Wien schon seit längerem ein interessantes Projekt zum Thema Kunstraub. Auf der einen Seite werden in der Galerie an einer zur Straße gewandten White Cube Kunstwerke ungeschützt der Öffentlichkeit präsentiert. Ihr Diebstahl gehört dabei zum Konzept. Denn meist wird das ausgestellte Werk noch in der ersten Nacht gestohlen. Die unbekannte Komponente des Kunsträubers wird aktiv in das Projekt eingebunden. Ein aus Marketing-Sicht sehr interessante Effekt tritt nun ein: Das ausgestellte Werk ändert im Moment seines Verschwindens seinen ideelen Wert, wird vom beschützten zum gesuchten Objekt. Alle gestohlenen Werke werden im internationalen Art Loss Register eingetragen. Ab dem Moment, an dem das Kunstwerk nicht mehr da ist, erlangt es einen zusätzlichen Wert. Direkt unter der White Cube für Kunst zum Stehlen setzen die Galerie-Betreiber später eine gelblackierte Klappe, eine dauerhafte Einrichtung zur anonymen Rückgabe gestohlener Kunstobjekte. Ein von seinem schlechten Gewissen geplagter Dieb, kann seine Tat auf diese Weise rückgängig machen. Das Kunstwerk wird dem ursprünglichen Besitzer überstellt oder als Leihgabe in die Sammlung gestohlener Kunst aufgenommen und musealisiert. Mehr über dieses geniale Kunstkonzept verrät die Kunstwerft auf ihrer Website.
Dem Reina Sofia in Madrid wird dieses Angebot für Kunsträuber aber auch nicht weiterhelfen in der Fahndung nach der zarten 38-Tonnen-Skulptur.
Tonnenschwere Schlamperei
Da denkt man immer, dass Museen ihre Ware wie rohe Eier behandeln, stets auf die richtige Raumtemparatur achten, die Exponate von Museumspersonal umstellen, damit auch ja kein Kunstliebhaber mal seine Fingerspitzen auf eines der Werke legt und dann so etwas: Das Reina-Sofia-Museum in Madrid hat es fertiggebracht eine 38 Tonnen schwere Skulptur von Richard Serra zu verschlampen. Das aus vier Eisenblöcken bestehende Werk mit dem Titel Equal-Parallel: Guernica-Bengasi, wanderte aus dem Museum in ein Lager und dort verlor sich seine Spur. Das kolossale Werk war weg. Mit einem einfachen Manteltaschentrick wird hier vohl kaum ein Kunsträuber weitergekommen sein, eher legt sich mir die Vermutung nahe, dass sich die eingelagerten Museumsbestände mit Werkstattbeständen gemischt haben und ein eifriger Handwerker mal tabula rasa gemacht hat und die sperrigen Eisenblöcke entsorgt wurden. Lo siento Senor Serra! Die Direktorin des Reina-Sofia Ana Martinez de Aguilar musste den Künstler in dieser Woche über das Verschwinden des Werkes aufklären. Einen ausführlichen Bericht über die Museums-Posse schrieb FAZ-Net
Internationaler Museumstag
Das Motto in 2006 lautet: Museums and Young People – Museen und junge Besucher Museen können sich mit Stolz selbstbewusst zeigen: der Gang ins Museum ist für die Altersgruppe der 14 bis 21-Jährigen ein Top-Event wenn es um Kulturaktivität geht. Weder Pop-Konzerte, noch Kino-Besuche, noch andere Angebote werden so häufig wahrgenommen wie der Museums- und Ausstellungsbesuch.
Mit dem Thema des Internationalen Museumstages 2006 am 21. Mai, soll den Museen ein Forum gegeben werden, ihre vielfältigen Aktivitäten speziell für diese Zielgruppe einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und deutlich zu machen, welche wichtige Rolle sie als Foren der Begegnung und der Bildung für ein junges Publikum spielen können.
Weitere Informationen bietet das International Council of Museums, ICOM, 1977 ins Leben gerufen, will diese Initiative Museen und ihren Mitarbeitern in aller Welt die Möglichkeit bieten, gemeinsam auf die Bedeutung ihrer Arbeit als Beitrag zum kulturellen und gesellschaftlichen Leben hinzuweisen.