Nun ist er also in den Olymp der Designer-Welten aufgestiegen, der Kohlenstaub, der einst meine Mutter zur Verzweiflung brachte, weil jedes Mal, wenn sie ihrem Töchterchen die Nase putze, sich das Taschentuch schwarz färbte. Aus dem guten alten Kohlenstaub, von dem ich persönlich die Nase voll hatte, wurde nun ein Parfüm entwickelt. Die norwegische Künstlerin Sissel Tolaas kreierte anlässlich der Designausstellung ENTRY2006 einen neuen Duft. Den Geruch gewann sie aus Kohlenstaub, Steinen, abgeschabter Farbe und Rost. Vor dem Förderturm der Essener Zeche Zollverein, versprühte sie ihr Essence 2006. Die Norwegerin mit Wohnsitz in Berlin stellte den Duft speziell für die 100 Tage dauernde Ausstellung her. Entry 2006 will spannende Einblicke in die Welt des Desgins und der Architektur vermitteln. Und dem ein oder anderen Ruhrpott-Kind noch eine nostalgische Reise in die Kindheit dazu.
Category Archives: Zeitgeist
Zitronen im Nadelstreif
Meine beste Freundin ist sauer. Nachdem sich gut gekleidete Herren einige Wochen in ihrem Unternehmen umgeschaut haben, steht nun alles Kopf in ihrer Abteilung und sie vielleicht bald auf der Straße. Heute morgen las ich dazu ein Zitat von Robert Gries, Komödiant:
Wer glaubt, dass Unternehmensberater Unternehmen beraten, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten.
Der Dom bleibt integer
Der Rotstift wird angesetzt und die Kölner freuen sich. Denn es geht ausnahmsweise mal nicht um Einschnitte und Sparmaßnahmen, sondern um die Streichung des Kölner Doms von der Roten Liste des gefährdeten Weltkulturerbes. Die größte Kathedrale Deutschlands war vor 10 Jahren zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt worden. Aber seit Juli 2004 wurde dieser Titel bedroht, da die Stadt Köln mit ihren Hochhausplänen im Stadtteil Deutz an der visuellen Integrität des Doms kratzte. Nach nun zweijährigem Gezänk und Gefeilsche wurden die Höhe der im Bau befindlichen Hochhäuser beschränkt und dem Bau weiterer Hochbauten, die die Sicht auf den Dom trüben könnten, eine Absage erteilt. Der Dom bleibt visuell unangetastet, mal abgesehen von den permanenten Baugerüsten, die ihn umschwärmen, wie die Motten das Licht. Aber das ist ja wieder eine andere Baustelle names Weltklimakonferenz. Weitere Fotos von Georg Berg mit Kölner Motiven.
Kaum ist der Dom gerettet, gerät die so reizend klingende Waldschlösschenbrücke im Dresdner Elbtal ins Visier der Unesco.
Silver Shopper erobern das Netz
Sie haben viele Namen, die neuen Hoffnungsträger der Wirtschaft: Silver Shopper, Best Ager, Generation 50 plus. So vielfältig wie die Namensgebungen, so heterogen ist diese in vielen Branchen oft noch stark vernachlässigte Zielgruppe. Sie kommen immer stärker in Schwung und sind alles andere als Technik-Muffel. Die Anfang 50jährigen etwa sehen sich keineswegs als Senioren. Entsprechend teilen Marktforscher die Zielgruppe in zwei Altersklassen ein. So werden die 50 bis 70 jährigen als sogenannte Lifestyle-Shopper bezeichnet. Sie sind fit, haben Spaß am Leben, sind bereit Geld auszugeben und verreisen gern. Continue reading
I like to see my taxes!
Sagte unsere finnische Freundin als wir aus dem Wald traten und direkt auf eine Sportanlage mit Tartan-Bahn und Hammerwurf-Anlage blickten. Und es war für uns ein weiteres Beispiel dafür, welchen hohen Stellenwert die Bereiche Bildung, Erziehung und Kultur in Finnland haben. Der Bildungsstand in Finnland gilt weltweit als einer der höchsten. Die Analphabetenquote liegt bei nahezu 0 Prozent. Dies lässt sich unter anderem an der überdurchschnittlich hohen Lesebereitschaft ausmachen. Traditionell gibt es ein gutes Angebot an Bibliotheken. Erwähnte ich das nicht schon? Jetzt kann ich dies auch noch mit Bildern belegen. Und noch ein wenig Statistik: Die Finnen geben 10 Prozent der Staatsausgaben für Bildung aus. Finnland ist eines der am dünnsten besiedelten Länder Europas. Bei einer Einwohnerzahl von 5.249.034 (2005) liegt die Bevölkerungsdichte bei 15,5 Einwohnern pro km² (Quelle Wikipedia)
Bibliotheken in Finnland
Kurzer Bericht aus dem Norden: Ich habe noch keine Elche gesehen, aber gelernt, dass in Finnland in jedem kleinen Ort eine sehr gut ausgestattete Buecherrei steht. Mit Rechnern, auf denen man umsonst das Internet nutzen kann. Ausserdem kommt in Finnland auf 6.000 Einwohner je ein Museum! Kinder, Schueler, Studenten sind es gewohnt viel freie Zeit in den Bibliotheken zu verbringen. Vielleicht ist das ein Geheimnis des PISA-Erfolges der Finnen.
Elchtest
Komm, lass uns FIFA spielen!
Der Ball ist rund. Das Runde muss ins Eckige. Vor dem Spiel ist nach dem Spiel. Wir leben schon seit Wochen im ultimativen Fussball Deko-Overkill. Ob in Apothekenschaufenstern, auf Süßperlen verzierten Donuts, im Buchladen oder zwischen den Schololaden-Osterhasen, Dienstleister und Händler aller Arten bombadieren uns optisch und verbal mit ein und derselben Botschaft, die hierzulande sowieso schon jedes Kind kennt: Die Fußball-WM FIFA-WM* kommt nach Deutschland! Hurra – lasst sie uns endlich hinter uns bringen, ansonsten wird sich die FIFA noch weiter Medien- und Fussballfan-unfreundliche Reglementierungen ausdenken. Fußball schreibt man nämlich nicht mehr mit dem Rucksack-sz, denn das gibt es in der Schweiz nicht mehr. Und es heißt natürlich auch nicht Fußball-WM. Nein, dieser völkerverbindende Sport scheint zu einer Trademark zu verkommen. Richtlinienkorrekt redet und schreibt man von der FIFA WM 2006 TM. FIFA – Was ist das denn bitte schön für eine Sportart? Starke Marken gut und schön. Aber bitte lasst es nicht dazu kommen, dass sich ein neues Begriffsmonopol bildet und unsere Wilden Kerle von morgen einander zurufen. Komm, lass uns FIFA spielen gehen. Dann würde ich mich im Gegenzug für eine Rechtschreibkorrektur der Redewendung Das ist doch keinen Pfifferling Fifaling wert! einsetzen.
Weitere Steilvorlagen und Abseitsfallen nachzulesen in den Richtlinien zur Verwendung der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006-Marken
*Noch mal gut gegangen. Andernfalls Prozess am Hals.
Ein Kännchen Kaffee bitte!
Ein Fotoprojekt auf den Spuren der Kaffeehauskultur
Kaffeehäuser und Konditoreien aus der Nachkriegszeit haben einen eigenartigen Charme und spiegeln in ihrer Raumgestaltung unübersehbar den Zeitgeist der 50er- und 60er Jahre wieder. Trotzdem sind ihre Tage gezählt. Bei extremen Arbeitszeiten einschließlich der Wochenenden fehlt es den klassischen Cafébetrieben heute an traditionsbewussten Nachfolgern.
Das Projekt „Ein Kännchen Kaffee bitte!“, dem sich Tobias D. Kern, Fotograf, und Barbara Kerbusk, Sozialarbeiterin, verschrieben haben, versucht, das Typische und Charakteristische von Cafés mit Konditoreien in klassischen Schwarzweißphotographien zu bewahren. Continue reading
Fordissimo!
Ich kannte von Henry Ford bislang den Spruch mit der Werbung und der einen Hälfte, die das Geld dafür zum Fenster rausgeworfen ist, nur man wisse halt nicht welche. Gerade lese ich einen noch schöneren, der sofort in meine Zeitzitate-Sammlung aufgenommen wird:
Wer auf Werbung verzichtet um Geld zu sparen, der kann auch die Uhr anhalten um Zeit zu sparen.
