Mein Tee, mein Brot, mein Müsli
Essen als Maßanfertigung. Die Individualisierung schreitet unaufhaltsam voran. Seit einiger Zeit wächst die Zahl junger Unternehmen in Deutschland, die die Idee, persönlich zusammengestellte Lebensmittel im Internet zu verkaufen, umsetzen. Es ist quasi das Prinzip Maßanzug für Speis und Trank. Pioniere waren 2007 drei Studenten aus Passau, die mit ihrer Online-Müsli-Mischerei Mymuesli.de von sich Reden machten. Mittlerweile kann der webaffine Konsument auch Schokolade, Süßigkeiten, Pralinen, Säfte, Kaffee oder Brot nach eigenen Gusto zusammenstellen. Im World Wide Marketing gibt es auch für dieses Geschäftsprinzip einen Fachausdruck: Mass Customization, also das Konzpet der individuellen Massenfertigung. Was wie ein Widerspruch klingt, ist wirtschaftlich durchaus erfolgreich. Meist als kleine Start-ups im heimischen Keller oder Hinterhof gegründet, fand die Geschäftsidee des selber Mischens und Experimentierens immer mehr Abnehmer. Für die findigen Anbieter war das Einstiegsrisiko gering: es droht kaum Überproduktion, weil nur das hergestellt wird, was der Kunde bestellt hat, die Lagerkosten bleiben gering, es muss kein Ladenlokal angemietet werden und kein Beratungspersonal eingestellt werden. Die allesentscheidende Absatzplattform, die eigene Website, wurde vom Gründer oft selbst programmiert. Mittlerweile beschäftigt mymuesli.de 72 Mitarbeiter. Die noch überschaubare Branche der Maßanfertiger in Deutschland ist untereinander gut vernetzt. So werden den Bestellungen auch schon mal Werbeflyer anderer Food-Individualisten beigelegt.
Geben Sie auch 105,50 Euro im Jahr für den Kauf von Blumen und Pflanzen aus? Nein? Kann aber nicht sein, denn die Branche für Gartenbau und Floristik hat den Pro-Kopf -Verbrauch für Usambara-Veilchen und Co. mit eben diesem Wert beziffert. Was für ein fetter Markt. Jährlich werden fast 8,7 Mrd. Euro in Deutschland für alles was Grün ist ausgegeben. Wir sind übrigens auch Schnittblumenimport-Meister mit einem Importwert von 1,1 Mrd. Euro. Diesen blühenden Markt der Mitnahmeprodukte habe ich bislang völlig unterschätzt. Aber je länger ich darüber nachdenke, schon allein unser Liedgut ist von dieser Mentalität des Blümchen kaufens geprägt: Rote Rosen aus Athen, Tulpen aus Amsterdam und im Moment heißt es für alle Schneeflöckchen, Weißröckchen und diese schöne Eisblume gibt es sogar ganz kostenlos frei Haus!
Mit der Abwrackprämie von 2.500 Euro für ein dem Schrotthändler anvertrautes Auto hat die Regierung vor allem vielen Radiosendern eine Freude bereitet. Die Autobranche nutzt die unmittelbare Abverkaufsstärke des Radios und wirbt das sich die Bleche biegen. Werbespots, in denen wir zum Abwracken unseres Autos, der Küche oder einfach nur der alten Kaffeemaschine aufgefordert werden rauschen nur so durch die Kanäle. In einem w&v Interview (Ausgabe 10/2009) bestätigt Niels von Haken, GF MDR Werbung, “Nach unserer Wahrnehmung werden Spots für bereits gebuchte Zeiten auf Verschrottungsprämie getrimmt”. Ganz meine Wahrnehmung! In diesem Monat werden die ersten Stücke vom Verschrottungskuchen ausgezahlt. Der Ton der Radiospots dürfte sich bald verschärfen, um die noch Zögerlichen auf den immer kleiner werdenden Kuchen aufmerksam zu machen. Auch im Abwrackprämien-Schlussverkauf wird sich das Radio wieder als schnelles, schlagkräftiges und regional steuerbares Abverkaufsmedium bewähren.
Egal ob festkochende Kartoffeln oder Festgeld – beides gibt es jetzt bei Lidl. Die Finanzmärkte in aller Welt wanken, ein Beben geht durch die Bankenszene. Die Verbraucher sind verunsichert. Da kann man sein Geld auch gleich im Supermarkt anlegen. Lidl hat zwar auch nicht das beste Image und machte bislang eher durch Berichte über die schlechte Bezahlung und Behandlung seiner Mitarbeiter von sich reden. Aber wenigstens von überzogenen Managergehältern im Discounter-Imperium hat man noch nichts gehört. Vom 20. Oktober bis zum 1. November 2008 liegt das “Festgeld SuperZins”-Antragsset griffbereit an den Kassen.
Star-Köche sprießen ja schon seit längerem aus dem Programm-Portfolio deutscher Fernsehsender. Doch nun erobern sie auch Deutschlands Straßen! Starkoch (?) Mirko Reeh geht mit einer mobilen Live-Kochshow rund um die Spargelstange auf große Genießertour. Das edle Gemüse ist in der Kampagne nur das kongeniale Komplementär-Produkt zum Weißwein. Die perfekten Weine zum Spargelgenuss präsentiert dabei nämlich Initiator Blanchet, der sich als Deutschlands beliebteste Weinlinie bezeichnet. Ein Rezeptheft sowie ein Gewinnspiel und mit Sicherheit gute Platzierungen am POS runden die Aktion ab. Angesichts der schwindenden Kochkünste in deutschen Haushalten und der zunehmenden Verfettung der Bevölkerung keine schlechte Maßnahme. Der Verzehr von Spargelspitzen gepaart mit jungen Kartoffeln verzeiht dann auch das Gläschen Alkohol zum Essen.
Milliarden in Finnland – Tränen in Bochum. Handyhersteller Nokia bringt mit seinen Schließungsplänen für die Produktionsstätte Bochum ein ganzes Handy-Volk gegen sich auf. Zuerst machte das Wort vom Subventionsnomaden die Runde. Vergangenen Dienstag mobilisierte die Bochumer Belegschaft 15.000 Menschen zu einer eindrucksvollen Großkundgebung. Fast zeitgleich setzte die Konzernspitze in Helsinki noch eins drauf, und freute sich über einen Rekord-Gewinn von sieben Milliarden Euro. Was bleibt dem erzürnten Nokia-Handy-Besitzer, dem aufgrund fehlender Rekordgewinne der sofortiger Neukauf eines Konkurrenzproduktes verwehrt bleibt?
…das ist auf der Internetseite
Verdammt ich hab nix, so röhrt Matthias Reim, einstiger Schlagerstar, in Anlehnung an seinen Hit, mit dem er 1990 16 Wochen lang Platz 1 belegt hatte. Die glorreichen Zeiten sind längst passé. Reim ist blank und lebt im laufenden Insolvenzverfahren. Jetzt könnte der bekennende Pleitier mit dem für Autovermieter Sixt gedrehten Video neuen Kultstatus erreichen. Die witzig gedrehte Persiflage, nach dem Motto Wenn selbst ich mir ein Cabrio leisten kann, können Sie das auch, wurde in Reims Wahlheimat Mallorca gedreht. Die Idee stammt von Agentur Jung von Matt/Elbe.