Spargeltarzan als Roadmovie!

Star-Küche sprießen ja schon seit längerem aus dem Programm-Portfolio deutscher Fernsehsender. Doch nun erobern sie auch Deutschlands Straßen! Starkoch (?) Mirko Reeh geht mit einer mobilen Live-Kochshow rund um die Spargelstange auf große Genießertour. Das edle Gemüse ist in der Kampagne nur das kongeniale Komplementär-Produkt zum Weißwein. Die perfekten Weine zum Spargelgenuss präsentiert dabei nämlich Initiator Blanchet, der sich als Deutschlands beliebteste Weinlinie bezeichnet. Ein Rezeptheft sowie ein Gewinnspiel und mit Sicherheit gute Platzierungen am POS runden die Aktion ab. Angesichts der schwindenden Kochkünste in deutschen Haushalten und der zunehmenden Verfettung der Bevölkerung keine schlechte Maßnahme. Der Verzehr von Spargelspitzen gepaart mit jungen Kartoffeln verzeiht dann auch das Gläschen Alkohol zum Essen.

Ein hörbarer Protest – Nokia explode

Milliarden in Finnland – Tränen in Bochum. Handyhersteller Nokia bringt mit seinen Schließungsplänen für die Produktionsstätte Bochum ein ganzes Handy-Volk gegen sich auf. Zuerst machte das Wort vom Subventionsnomaden die Runde. Vergangenen Dienstag mobilisierte die Bochumer Belegschaft 15.000 Menschen zu einer eindrucksvollen Großkundgebung. Fast zeitgleich setzte die Konzernspitze in Helsinki noch eins drauf, und freute sich über einen Rekord-Gewinn von sieben Milliarden Euro. Was bleibt dem erzürnten Nokia-Handy-Besitzer, dem aufgrund fehlender Rekordgewinne der sofortiger Neukauf eines Konkurrenzproduktes verwehrt bleibt?

Hier ist die Lösung: Ein hörbarer Protest mit der eindringlichen Klingelton-Komposition Nokia-Explode. Nervenzerreißend und aufmerksamkeitsstark wird hier der Nokia-Klassiker verfremdet und mündet in einem finalen Explosionsgeräusch. Mit dieser kleinen Geste kann jeder aktiv zur weiteren Verschlechterung des Nokia-Images beitragen. Auch wenn es die Schließung in Bochum nicht verhindern wird, ein gehöriger Image-Schaden für Nokia, könnte andere Unternehmen zu einem umsichtigeren Umgang mit der Ressource Mensch veranlassen.

Klingelton Nokia Explode zum Anhören und Runterladen

Einmal den schlechten Ton angeben

…das ist auf der Internetseite Bad Vibes erwünscht. Mit dem Aufruf zu einem weltweiten Voting wollen englische Wissenschaftler herausfinden, welche Geräusche Menschen als besonders abstoßend empfinden. Im sogenannten Mixer kann man sich auch gleich sein eignens Horror-Soundfile zusammenstellen: Fingernägel, die über eine Tafel kratzen, der Zahnarztbohrer, Styroporkratzen oder Mikro-Rückkopplungen können miteinander vermischt werden.

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Röhren für den heißen Schlitten

Verdammt ich hab nix, so röhrt Matthias Reim, einstiger Schlagerstar, in Anlehnung an seinen Hit, mit dem er 1990 16 Wochen lang Platz 1 belegt hatte. Die glorreichen Zeiten sind längst passé. Reim ist blank und lebt im laufenden Insolvenzverfahren. Jetzt könnte der bekennende Pleitier mit dem für Autovermieter Sixt gedrehten Video neuen Kultstatus erreichen. Die witzig gedrehte Persiflage, nach dem Motto Wenn selbst ich mir ein Cabrio leisten kann, können Sie das auch, wurde in Reims Wahlheimat Mallorca gedreht. Die Idee stammt von Agentur Jung von Matt/Elbe.

Das Verdammt-ich-hab-nix-Video

Die bedrohte Marke

Ein Symbol mit dem man in aller Welt die Alpenrepublik verbindet, ist ins Zwielicht geraten. Das Sackmesser, das als Schweizer Offiziersmesser oder Swiss Army Knife weltweit vom praktischen Sinn der Schweizer kündet. Es ist der Inbegriff schweizerischer Tüchtigkeit und Solidität. Diesen Nimbus sieht die Nation nun gefährdet. Da die Schweiz Mitglied der WTO, der World Trade Organization ist, hat sie deren Übereinkunft über das Beschaffen von Dienstleistungen und Gütern zu respektieren. Und die sieht vor, dass Aufträge, die 250 000 sfr übersteigen, weltweit auszuschreiben seien. Deshalb fürchtet man, ein ausländischer Billiganbieter könnte das Rennen machen. Und so malt man ein “Swiss Army Knife – Made in China” als Schreckgespenst an die Wand. Aber uns ergeht es auch nicht besser: Kinderspielzeug mit gesundheitsgefährdenden Substanzen made in China wird über die großen Spielzeugkonzerne in das Land der Steiff Teddies und Käthe Kruse-Puppen gespült.

Zielgruppen sind auch nur Menschen

Die eigene Zielgruppe besteht nicht nur aus potentiellen Kunden. In eine erfolgreiche Unternehmenskommunikation müssen unterschiedliche Personenkreise eingebunden werden. Ein Ausblick auf die Entwicklung in der Mediennutzung zeigt: Aus einem passiven Publikum werden Millionen einzelner Kunden. Andy Warhols medienkritisches Bonmot aus den 1960er Jahren scheint sich zu bewahrheiten:

In Zukunft wird jeder einmal für 15 Minuten berühmt sein.

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Das Schlämmer Blog

Grevenbroicher kennen ihn schon lange, denn schließlich hat er unsere Stadt erst so richtig berühmt gemacht: Er schmatzt, grunzt und macht ekelhafte Schnarchgeräusche. Er stinkt stets nach Alkohol und hält sich dennoch für den Traummann aller Frauen: Stellvertretender Chefredakteur Horst Schlämmer. Nun hat der Mitarbeiter des Grevenbroicher Tageblatts eine neue Mission: Er macht den Führerschein. Seine ersten Gehversuche sind seit Ende Januar in seinem Blog zu finden.

Sowohl in skurrilen Tagebucheinträgen als auch in Videoaufnahmen hält Horst Schlämmer seine Theorie- und Praxisstunden fest. Zudem parliert er über seine Erfolge bei Frauen, die er durch die Bank als Schätzelein bezeichnet. Und vor einigen Tagen dann, das große Blogger-Coming-out: Das Horst Schlämmer-Blog macht intelligente Online-Werbung für den VW Golf. Ursprünglich als Info-Internet-Blog für den Führerscheinerwerb von Schlämmer getarnt, outet sich das ganze nun als sehr unterhaltsame und preisverdächtige Werbeaktion, neudeutsch auch Branded Entertainment genannt. Ich bin gespannt, ob die Schlämmer-Fans dem Horst treu bleiben und wieviel Line Extensions sich VW zum Schlämmer-Blog noch ausdenken wird. Denn eins ist klar: durch den überraschenden Erfolg der Kunstfigur Schlämmer im Netz, werden die VW-Marketer nun sicherlich weitere Werbe-Wege mit Schlämmer beschreiten.
Das Horst Schlämmer Blog

Viel Rauch um Nichts

Hier schlafen Sie mit einem Original. Mit diesem Slogan wirbt das Galerie-Hotel Leipziger Hof um kunstinteressierte Touristen, die in letzter Zeit ganz gezielt ihren Weg nach Leipzig finden. Sie wurden angelockt durch Artikel in der New York Times und dem Kunstmagazin ART oder einfach nur durch Empfehlung und sind interessiert an den Werken der neuen Leipziger Schule. Bis vor einiger Zeit hing ein Gemälde von Neo Rauch im Flur des Hotels. Doch der große Rauch wurde dem Hotelier schließlich zu brenzlig, denn eine solche Arbeit wird mittlerweile für mehrere Hunderttausend Euro gehandelt. Also entschwand der Rauch ins Nichts bzw. aus dem Blickwinkel der kunstliebenden Hotelgäste. Die Kunst wurde hier zum Opfer ihres eigenen Erfolgs. Der Charme vom Wohnen mit berühmter Kunst, und wenn es nur für eine Nacht ist, ist nun der Angst vor Diebstahl oder Sachbeschädigung zum Opfer gefallen.
Mehr Hintergründe bei sz-online 

Locusta britannica vs. Spinosaurus Schleich

Der Hersteller von Tierfiguren, die Firma Schleich in Schwäbisch Gmünd, ist an einen Finanzinvestor verkauft worden: Die britische HgCapital hat nun die Mehrheit an dem mittelständischen Unternehmen, das bislang in den Händen dreier Familienstämme lag. In dem Spezialisten für Kunststofffiguren, der in den 60er Jahren mit den Schlumpffiguren groß wurde, sieht der britische Investor ein profitables Geschäft. Wachstumsmöglichkeiten national als auch international seien gegeben.
Die freundliche Heuschrecke aus dem Königreich sieht ihr Finanz-Engagement als einen Beleg dafür, dass diese Finanzierungsform als Lösung für das Nachfolgeproblem von Familienunternehmen im deutschen Mittelstand zunehmend in Frage kommt. Im Mai war bereits der weltbekannte Modelleisenbahnbauer Märklin in Göppingen nach monatelangem Ringen von dem britischen Investor Kingsbridge Capital übernommen worden. Bedauernswert, dass die Familienclans vieler Traditionsunternehmen nicht zu einer internen Lösung kommen können oder wollen. Bleibt zu hoffen, dass sich die Marke nicht langsam davon schleicht, denn die kühl kalkulierenden Investoren haben stets den Profit im Blick und selten die Markenpflege.

Die Kugel des Kosmonauten

Zumindestens für drei Tage wird die 3 g leichte Kugel, die Kosmonaut Michail Tjurin jetzt ins All schoss, allgegenwärtig sein. Solange wird sie wohl in der Erdumlaufbahn kreisen, um dann zu verglühen. Mit dem Abschlag eines Golfballs vom Dach der Internationalen Raumstation ISS wird eine Golfausrüster-Firma weltweit für Aufsehen sorgen. Schon seit Jahren versucht die russische Raumfahrt ihre Finanzlöcher mit teuer bezahlten Werbe-Gags zu stopfen. Ob mit überdimensionaler Pepsi-Dose auf der längst verschrotteten Raumstation Mir oder mit Zigaretten-Plakat auf einer Trägerrakete. Die Gelder aus dem Westen ändern aber auch nichts daran, dass im Land des Raumfahrtpioniers Juri Gagarin kaum noch jemand hoch hinaus zu den Sternen will. Zu miserabel werden die Kosmonauten im 21. Jahrhundert bezahlt. Bekommen die Kosmonauten nicht bald etwas vom Werbekuchen ab, dann gehen den Russen die Helden aus. Sparen können sie sich dann aber auch die Folgekosten: Vor Jahren wohnte ich durch puren Zufall der Beerdigung eines Kosmonauten auf einem Moskauer Friedhof bei. Das war schon sehr pompös und staatstragend, mit trauriger Marschmusik und iridschem Blumenmeer. Kosmonautsky vergrabsky!